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Jacquard stricken: 6 typische Fehler und ihre Lösungen

Jacquard stricken ohne Frust: Wir zeigen die sechs häufigsten Fehler bei Spannfäden, Spannung, Farbwechseln und Blocken und wie du sie mit einfachen Gewohnheiten und passendem Werkzeug vermeidest.

Mütze im Colorwork-Muster in Rot, Türkis und Senfgelb neben einer Mustervorlage und einer goldfarbenen Häkelnadel

Jacquard stricken gehört zu den schönsten und dankbarsten Techniken des Strickens, aber auch zu denen, vor denen man großen Respekt hat. Ob Fair Isle, Jacquard, Intarsie oder Aufsticken auf Gestricktes: Beim Colorwork verbindest du mehrere Farben in einer Arbeit, um Muster, Streifen oder geometrische Motive zu gestalten. Gelingt es, ist das Ergebnis ein echter Hingucker. Gelingt es nicht, erscheinen die gefürchteten Löcher, zu straffe Spannfäden, durchscheinende Farben oder Farbwechsel mit sichtbarer Stufe. In diesem Ratgeber gehen wir die häufigsten Fehler beim Jacquardstricken durch und zeigen vor allem, wie du sie mit einfachen Gewohnheiten und dem passenden Werkzeug vermeidest. Denn mehrfarbig zu arbeiten sollte keine Quelle von Frust sein, sondern ein weiterer Grund, deine Arbeit zu genießen.

Die gute Nachricht: Fast alle Fehler beim Colorwork haben eine Lösung. Du musst kein Profi sein und keine Jahre Übung haben, es genügt zu verstehen, warum sie entstehen, und ein paar kleine Routinen einzuführen. Beim ersten zweifarbigen Pullover, bei den ersten Socken mit Muster oder bei einer karierten Decke tauchen immer wieder dieselben Probleme auf. Also geben wir ihnen einen Namen und eine Lösung.

Inhalt

  1. Was ist Jacquard stricken und warum geht es schief?
  2. Die häufigsten Fehler beim Jacquardstricken
  3. So vermeidest du die Fehler: Techniken und Gewohnheiten
  4. Werkzeug, das den Unterschied macht
  5. Blocken und Finish
  6. Fehler bei Planung und Entscheidungen

Was ist Jacquard stricken und warum geht es schief?

Beim Jacquardstricken führst du zwei oder mehr Farben in derselben Runde oder Reihe und lässt die Fäden, die gerade nicht gebraucht werden, als Spannfäden auf der Rückseite mitlaufen. Genau dort liegen die Schwierigkeiten: Die Spannfäden bestimmen, wie elastisch das Gestrick bleibt, wie sauber das Muster aussieht und wie die Rückseite wirkt. Wer zwei Fäden gleichzeitig führt, muss außerdem lernen, beide mit derselben Spannung zu halten. Ist das nicht der Fall, zeigt sich das sofort im Maschenbild. Wie du als Einsteiger mit den Grundlagen beginnst, liest du im Ratgeber Mehrfarbig stricken für Anfänger.

Die häufigsten Fehler beim Jacquardstricken

1. Ungleichmäßige Spannung zwischen den Farben

Einer der häufigsten Fehler: Die Spannung ändert sich je nach Farbe. Das liegt daran, dass wir die Fäden nicht gleich halten: Die Farbe in der dominanten Hand wird tendenziell lockerer oder straffer als die zweite. Das Ergebnis ist eine Arbeit, die wellt, sich zusammenzieht oder Maschenreihen in unterschiedlicher Größe zeigt. Um das zu vermeiden, arbeite mit beiden Farben stets mit derselben Spannung und prüfe die Maschenprobe mit beiden Fäden. Wird eine Farbe straffer, entspanne die Hand oder ändere die Art, wie du den Faden hältst.

2. Spannfäden zu straff oder zu lang

Spannfäden sind die Fäden, die auf der Rückseite der Arbeit verlaufen, wenn sie nicht gestrickt werden. Ziehst du sie zu fest, verliert das Stück Elastizität und zieht sich zusammen. Lässt du sie zu lang, bleiben sie an den Fingern hängen, schimmern auf der rechten Seite durch und können sich verheddern. Der Schlüssel liegt in der Mitte: Binde den Faden alle paar Maschen ab (man sagt auch: einfangen), ohne zu ziehen, und achte darauf, dass die Länge der Spannfäden überschaubar bleibt. Für längere Strecken kannst du den Faden auf der Rückseite einfangen oder die Ladderback-Technik nutzen, wenn die linke Seite sichtbar bleibt.

3. Schlecht gearbeitete Farbwechsel

Beim Farbwechsel wird die erste Masche in der neuen Farbe oft lockerer und zeigt ein kleines Loch oder eine Stufe. Um das zu vermeiden, verkreuze die Fäden auf der Rückseite, bevor du die erste Masche in der neuen Farbe strickst, und ziehe leicht an, um die Spannung auszugleichen. Bei der Intarsie, wo jede Farbfläche ihr eigenes Knäuel hat, ist es entscheidend, die Fäden bei jedem Wechsel zu verkreuzen, damit keine Lücken entstehen. Ein Trick: Strickst du die erste Masche mit der neuen Farbe, arbeite sie mit etwas mehr Spannung als sonst und gleiche sie danach an.

4. Keine Maschenprobe mit beiden Farben

Viele arbeiten die Maschenprobe nur in einer Farbe und stürzen sich dann ins Colorwork. Das ist ein Fehler. Die Spannung verändert sich, wenn du mit zwei Fäden arbeitest, und die Probe muss genau diese Wirklichkeit abbilden. Stricke eine Probe im Muster, das du verwenden wirst, wasche und blocke sie, bevor du misst. So weißt du, ob du die Nadelstärke oder die Technik wechseln musst.

5. Farben ohne ausreichenden Kontrast

Ein wunderschönes Muster kann unleserlich werden, wenn die Farben einen ähnlichen Helligkeitswert haben. Mach zur Kontrolle ein Schwarz-Weiß-Foto: Lassen sich die Farben schlecht unterscheiden, geht das Motiv verloren. Suche Kontrast in der Helligkeit, nicht nur im Farbton. Und denke daran, dass dich das Licht an deinem Arbeitsplatz täuschen kann.

6. Das Blocken auslassen

Colorwork wird fast immer durch gutes Blocken besser. Die Spannfäden setzen sich, die Spannung gleicht sich aus, und die Maschen richten sich aus. Ohne Blocken bleibt das Stück oft unregelmäßig. Blocken ist kein Luxus, sondern Teil des Prozesses.

So vermeidest du die Fehler: Techniken und Gewohnheiten

Trainiere die Spannung mit einfachen Übungen

Bevor du dich an ein großes Projekt wagst, stricke kleine Colorwork-Quadrate. Übe, die Spannung konstant zu halten, während du die Farben wechselst. Eine gute Übung: Stricke eine Probe mit abwechselnden Maschen in zwei Farben und prüfe, ob die rechte Seite gleichmäßig aussieht. Siehst du Unterschiede, passe an, wie du die Fäden hältst.

Fange die Spannfäden mit Augenmaß ein

Nicht jeder Spannfaden muss eingefangen werden. Fange ihn ein, wenn die Strecke länger wird, aber tu es abwechselnd, damit sich auf der rechten Seite keine sichtbare Linie bildet. Fängst du immer an derselben Stelle ein, entsteht eine solche Linie. Wechsle deshalb die Stelle, an der du einfängst.

Wähle die passende Technik für jede Art Colorwork

Fair Isle und Jacquard werden in Runden oder in Reihen mit Spannfäden gearbeitet. Die Intarsie arbeitest du mit getrennten Knäueln für große Farbblöcke. Das Aufsticken auf Gestricktes (Duplicate Stitch) eignet sich hervorragend für kleine Details. Die richtige Technik für jedes Motiv erspart dir viele Probleme.

Ordne deine Fäden

Das Chaos verhedderter Knäuel ist der Feind Nummer eins beim Colorwork. Halte jede Farbe an ihrem Platz, mit Spulen oder Klammern, damit sie sich nicht verheddern. Eine gute Ordnung spart Zeit und Frust. Ein Wollhalter für das Hauptknäuel hilft zusätzlich, den Faden ruhig laufen zu lassen; mehr dazu im Ratgeber Garnschale oder drehbarer Wollhalter.

Werkzeug, das den Unterschied macht

Bei Mota & Nudo haben wir Zubehör entworfen, das genau für das mehrfarbige Arbeiten gedacht ist. Die Spulen des Spulensystems „Color Dúo“ halten jede Farbe getrennt: Jeder Faden läuft durch seine eigene Öse, und beim Wenden entdrehen sich die Fäden leichter. Die Maschenmarkierer „Pequeños compañeros“ helfen dir, Wiederholungen und Farbwechsel zu kennzeichnen; mit dem Karabinerverschluss hängst du sie ein und aus, ohne etwas aufzutrennen. Und mit dem Reihenzähler „Una más“ behältst du die Runden oder Rapporte im Blick, ohne den Faden des Musters zu verlieren. Es sind Details, die unscheinbar wirken, aber den Unterschied machen zwischen genießen und mit der Arbeit kämpfen.

Um die Spannung genau zu messen, hilft dir die Nadel- und Maschenprobenlehre „Punto exacto“ zu prüfen, ob deine Probe die nötigen Maschen und Reihen hat. Und wenn du fertig bist, hilft dir die modulare Spannplatte „Cuadro a cuadro“, dein Stück auf die Endmaße zu bringen. Wenn du mehr Zubehör fürs Mehrfarbige erkunden willst, schau in die Kategorie Colorwork.

Blocken und Finish

Das Blocken ist der letzte Schritt, der aus einer handgemachten Arbeit ein Stück mit sauberem Finish macht. Beim Colorwork ist das Nassblocken meist am besten geeignet: Prüfe zuerst die Pflegehinweise auf der Banderole und tauche das Stück dann in kaltes Wasser mit etwas milder Seife, spüle ohne zu reiben, drücke das Wasser mit einem Handtuch heraus und breite das Stück auf einer ebenen Fläche aus, in Form der Endmaße. Soll das Muster sauber ausgerichtet sein, fixiere Ränder und wichtige Stellen mit Spannnadeln. Lass es an der Luft trocknen, nicht in direktem Sonnenlicht.

Bei Wollstücken vermeidest du übermäßige Hitze und plötzliche Temperaturwechsel. Besteht dein Stück aus mehreren Farben, prüfe vorher, dass die Farben nicht abfärben: Befeuchte ein Stück jeder Farbe und lege es auf ein weißes Tuch. Färbt etwas ab, wasche das Stück nur kurz in kaltem Wasser, getrennt von anderer Wäsche, und lass es nicht lange im Wasser liegen.

Ein gutes Blocken setzt die Spannfäden, gleicht die Spannung aus und lässt die Maschen gleichmäßig wirken. Lass diesen Schritt nicht aus: Er macht den Unterschied zwischen einem Colorwork, das nach Handarbeit aussieht, und einem sauberen Ergebnis. Eine ausführliche Anleitung findest du im Ratgeber Blocken stricken und häkeln.

Fehler bei Planung und Entscheidungen

Bevor sie die erste Masche stricken, wählen viele die Farben nur danach, wie hübsch sie im Strang zusammen aussehen, ohne zu prüfen, wie sie sich im Gestrick verhalten. Ein zu geringer Kontrast zwischen Grund und Motiv lässt das Muster auf Entfernung verschwimmen, und der Aufwand, der Strickschrift zu folgen, führt zu keinem lesbaren Ergebnis. Praktisch hilft es, die Stränge nebeneinanderzulegen, aus der Distanz zu betrachten, die Augen zusammenzukneifen und zu prüfen, ob das Motiv noch zu erkennen ist. Verschmelzen die beiden Wollen zu einer Masse, tausche eine gegen eine hellere, dunklere oder deutlich andersfarbige.

Ein weiterer häufiger Fehler: nicht vorher zu berechnen, wie viel Wolle jede Farbe braucht. Beim Colorwork verbraucht die Hintergrundfarbe meist deutlich mehr als die Motivfarbe, und wer mitten im Projekt zu wenig hat, muss einen Strang aus einer anderen Färbung suchen, mit dem Risiko, dass der Ton nicht passt. Es lohnt sich also, vor dem Start eine Maschenprobe im selben Farbmuster zu wiegen und den Verbrauch pro Farbe abzuschätzen. Prüfe außerdem, dass alle Stränge aus derselben Färbepartie stammen, oder vergleiche die Knäuel bei Tageslicht, um feine Unterschiede zu erkennen, die drinnen nicht auffallen.

Auch Garn- und Nadelwahl bestimmen das Ergebnis. Ein sehr dickes, flauschiges Garn verwischt kleine Motive, während ein sehr feines, steifes Garn die Farbwechsel wie Löcher aussehen lassen kann. Hat dein Muster kleine Figuren, funktioniert meist ein mittleres oder feines, gut gedrehtes Garn mit wenig Flaum besser, das jede Masche klar zeigt. Bei der Nadel probiere eine Stärke, die eine feste, aber nicht zu straffe Spannung ergibt: Fällt es beim Stricken schwer, die Nadel in die Maschen der vorherigen Farbe zu stechen, ist sie wahrscheinlich zu klein für dieses Garn und dieses Muster.

Zuletzt gibt es einen Planungsfehler, der spät auffällt: nicht daran zu denken, wie die Rückseite aussieht. Bei Mützen, Handschuhen oder Schals, die von beiden Seiten sichtbar sind, können lange Spannfäden hängen bleiben oder unschön wirken. Entscheide deshalb vorher, ob du den Faden alle paar Maschen einfangen willst, ob du mit der Zweihandtechnik arbeitest oder ob du das Stück füttern willst. Solche Entscheidungen treffen sich besser am Anfang, wenn man die Anleitung noch anpassen kann, als mitten im Projekt, wenn schon Zeit und Wolle investiert sind.

  • Prüfe den Kontrast der Farben vor dem Stricken auf Entfernung und mit zusammengekniffenen Augen.
  • Wiege eine Probe pro Farbe, um den echten Verbrauch zu schätzen und nicht ohne Wolle derselben Partie dazustehen.
  • Wähle gut gedrehte Garne mit wenig Flaum, wenn das Motiv kleine Details hat.
  • Entscheide von Anfang an, wie du die Spannfäden auf der Rückseite führst.

Weiterlesen: Mehrfarbig stricken für Anfänger: Material und Technik · Blocken stricken & häkeln: Handarbeiten richtig spannen

Mehr dazu: Das Standardsystem für Garnstärken des Craft Yarn Council (auf Englisch).

In unserer Werkstatt in Torremolinos entwerfen wir die Zubehörteile, über die wir hier schreiben, selbst und drucken sie im 3D-Druck: Garnhalter und Garnschalen für ruhig laufende Fäden und Organizer, damit Spulen und Markierer nicht verloren gehen. Wenn dir dieser Ratgeber geholfen hat, erzähl uns, wie dein Muster geworden ist. Better Together.

Häufige Fragen

Wie verhindere ich, dass die Spannfäden auf der rechten Seite durchscheinen?

Fange die Spannfäden alle paar Maschen ein, aber wechsle dabei die Stelle, damit sich keine sichtbare Linie bildet. Ist die Strecke sehr lang, kannst du den Faden auf der Rückseite einfangen oder die Ladderback-Technik nutzen. Es kann auch helfen, mit einer etwas dickeren Nadel zu stricken, damit die Spannfäden lockerer liegen und nicht am Stück ziehen.

Was tue ich, wenn mein Colorwork wellig wird?

Wellt dein Colorwork, sind meist die Spannfäden zu straff. Arbeite die Fäden auf der Rückseite mit mehr Spiel und achte darauf, die erste Masche nach einem Farbwechsel nicht zu fest anzuziehen. Auch eine ungleiche Spannung zwischen den Farben kann die Ursache sein: Übe mit einer Probe und passe an, wie du die Fäden hältst. Das Blocken am Ende hilft, die Maschen zu setzen und den Fall zu verbessern.

Muss ich beim Colorwork eine Maschenprobe machen?

Ja, das ist sehr empfehlenswert. Die Spannung verändert sich, wenn du mit zwei oder mehr Farben arbeitest, und eine Probe im Colorwork-Muster zeigt dir das echte Maß. Arbeite eine repräsentative Probe, wasche und blocke sie, bevor du misst. So kannst du Nadelstärke oder Spannung anpassen, bevor du das Projekt beginnst, und vermeidest unangenehme Überraschungen.

Wie blocke ich ein mehrfarbiges Kleidungsstück?

Für Colorwork ist das Nassblocken am besten geeignet. Tauche das Stück in kaltes Wasser mit milder Seife, spüle ohne zu reiben und drücke das Wasser mit einem Handtuch heraus. Breite es auf einer ebenen Fläche aus und bringe es auf die Endmaße. Fixiere Ränder und Motive mit Spannnadeln und lass es an der Luft trocknen, nicht in direkter Sonne. Prüfe vorher, dass die Farben nicht abfärben.

Wie wähle ich Farben, die sich im Muster gut abheben?

Achte auf den Helligkeitskontrast, nicht nur auf den Farbton. Ein Schwarz-Weiß-Foto der beiden Stränge zeigt dir schnell, ob sie sich unterscheiden: Verschmelzen sie im Foto, geht auch das Motiv im Gestrick verloren. Betrachte die Knäuel außerdem aus einigem Abstand und bei Tageslicht.