Mehrfarbig stricken für Anfänger: Material und Technik
Der Einstieg ins Colorwork: Welches Material du zum mehrfarbig Stricken brauchst, welche Techniken es gibt (Jacquard, Fair Isle, Intarsie, Häkeln) und wie du Fäden ordnest.

Mehrfarbig stricken heißt, zwei oder mehr Farben in einer Arbeit zu kombinieren, um Muster, Streifen, geometrische Motive oder sogar kleine Bilder entstehen zu lassen. Im Englischen nennt man das Colorwork, und auch in unserem Shop heißt die Kategorie so. Wenn du schon eine Weile einfarbig arbeitest und dir eine neue Herausforderung fehlt, ist das Mehrfarbige die Tür, die sich öffnet und so schnell nicht wieder zugeht. Du musst kein Profi sein, um zu beginnen: Du brauchst Geduld, das passende Material und ein Gefühl dafür, wie man Fäden führt, damit sie sich nicht in ein Knäuel verwandeln. In diesem Ratgeber für Anfänger erzählen wir dir aus der Werkstatt von Mota & Nudo, was du für deine ersten Schritte brauchst.
Der Schlüssel liegt in der Vorbereitung: Wähle die Technik, lege das Werkzeug bereit und ordne die Knäuel, bevor du anschlägst. Ist das geklärt, macht das Arbeiten mit Farben viel mehr Freude, als es von außen aussieht.
Inhalt
- Was ist Colorwork und warum macht es süchtig?
- Die wichtigsten Materialien für den Einstieg
- Grundtechniken für Anfänger
- Typische Anfängerfehler und wie du sie vermeidest
- Platz und Fäden ordnen
Was ist Colorwork und warum macht es süchtig?
Colorwork ist die Technik, zwei oder mehr Farben in derselben Arbeit zu verbinden, ob beim Stricken oder beim Häkeln, um Muster, Streifen, geometrische Motive oder figürliche Szenen zu gestalten. Es macht süchtig, weil es aus einem einfachen Stück etwas ganz Eigenes macht: ein Pullover mit Muster an der Passe, Handstulpen mit nordischem Motiv oder ein Loop mit Streifen, die wie von Hand gemalt wirken.
Die wichtigsten Materialien für den Einstieg
Bevor du dein erstes mehrfarbiges Projekt beginnst, solltest du alles auf dem Tisch haben, was du brauchst. Du musst keinen Vorrat kaufen, aber Werkzeug, das dir das Leben erleichtert und verhindert, dass sich die Fäden verheddern oder du die Reihen aus den Augen verlierst. Das ist unsere Grundausstattung für den Einstieg. Unbedingt nötig sind davon nur Garn, Nadeln und etwas Ordnung, der Rest macht es bequemer:
- Garn in mindestens zwei Farben: Wähle Wolle in ähnlicher Stärke, damit die Spannung gleichmäßig bleibt. Mischst du sehr unterschiedliche Stärken, wird das Muster ungleichmäßig. Zum Einstieg sind mittelstarke Garne (in Anleitungen oft als DK oder Worsted angegeben) leichter zu handhaben als sehr dünne.
- Passende Nadeln oder Häkelnadel: Beim Stricken eignen sich gerade Nadeln oder Rundstricknadeln in der Stärke, die das Garn verlangt; beim Häkeln eine angenehme Häkelnadel. Rundstricknadeln erleichtern das Stricken in Runden, und du siehst das Muster wachsen.
- Spulen für die Fäden: Wenn du mit mehreren Farben gleichzeitig arbeitest, rollen und verheddern sich die Knäuel. Spulen halten jede Farbe getrennt und unter Kontrolle. Dafür haben wir das Spulensystem „Color Dúo“ entworfen: vier entnehmbare Spulen mit je einer eigenen Ösenführung.
- Maschenmarkierer: Sie helfen dir, den Rundenanfang, Farbwechsel oder Zunahmen zu kennzeichnen. Die Maschenmarkierer „Pequeños compañeros“ haben weiche Formen ohne Kanten, damit nichts am Garn hängen bleibt, und lassen sich mit dem Karabinerverschluss ein- und aushängen.
- Reihenzähler: Wenn du einer Strickschrift folgst, musst du wissen, in welcher Reihe du bist. Ein Reihenzähler „Una más“ erspart dir, die Zählung zu verlieren und Muster versehentlich zu wiederholen.
- Nadel- und Maschenprobenlehre: Die Spannung zu prüfen ist entscheidend, damit sich das Muster nicht verzieht. Mit der Nadel- und Maschenprobenlehre „Punto exacto“ kontrollierst du, ob deine Maschenprobe zu der der Anleitung passt.
- Spannunterlage: Zum Schluss setzt das Blocken die Maschen und gleicht das Farbmuster aus. Die Modulare Spannplatte „Cuadro a cuadro“ ist für flache Stücke oder kleine Teile nützlich.
- Zubehörbox oder Projekttasche: Alles beisammen zu halten hilft, dass Markierer oder Spulen nicht verloren gehen. Eine Zubehörbox „Todo conmigo“ oder eine Projekttasche „Siempre juntos“ sind gute Verbündete.
Außerdem brauchst du eine klare Anleitung oder Strickschrift. Wähle zum Einstieg einfache Muster: Streifen, kleine geometrische Motive oder zweifarbige Zeichnungen. Schriften mit Symbolen oder Kästchen lassen sich bei häufigen Farbwechseln leichter lesen als Text.
Grundtechniken für Anfänger
Mehrfarbig stricken ist keine einzelne Technik, sondern eine Familie von Möglichkeiten, Farben zu verbinden. Das sind die gängigsten, und die, die wir dir zum Ausprobieren empfehlen:
1. Jacquard (Stricken mit Spannfäden)
Das ist die klassische Technik der nordischen Pullover. Du führst zwei oder mehr Farben in derselben Runde mit und lässt die Fäden, die gerade nicht gebraucht werden, als Spannfäden auf der Rückseite mitlaufen. Entscheidend ist, die Spannung gleichmäßig zu halten und die Spannfäden nicht zu fest zu ziehen, denn sonst zieht sich das Gestrick zusammen. Übe zum Einstieg mit zwei Farben und kleinen Motiven. Halte das Hauptgarn in der einen Hand und das zweite in der anderen, oder beide in derselben Hand, wenn dir das leichter fällt. Mit etwas Übung lernen die Finger, den Faden zu verteilen, ohne dass du darüber nachdenken musst.
2. Fair Isle
Fair Isle ist eine Variante des Jacquardstrickens, die von den Shetlandinseln stammt. Typisch sind zwei Farben pro Runde und sich wiederholende geometrische Muster. Zum Einstieg ist es ideal, weil die Motive klein und symmetrisch sind und du schnell siehst, ob die Spannung stimmt. Eine Mütze oder Handstulpen eignen sich gut zum Üben.
3. Intarsie
Bei der Intarsie gibt es keine Spannfäden: Jeder Farbblock hat sein eigenes Knäuel oder seine eigene Spule, und die Fäden werden beim Wechsel verkreuzt. Das ist die Technik für große Motive, etwa ein Herz in der Mitte eines Pullovers oder eine figürliche Szene. Sie braucht mehr Ordnung, weil du mehrere Knäuel gleichzeitig führst, aber das Ergebnis ist auf der Rückseite sauber. Wähle zum Anfang ein Motiv mit wenigen Farbblöcken und nutze Spulen, damit du alles unter Kontrolle hast.
4. Mehrfarbig häkeln
Beim Häkeln wird mehrfarbig oft mit Farbwechseln am Reihen- oder Rundenende gearbeitet oder mit Techniken wie dem Tapestry-Häkeln, bei dem der Faden, den du gerade nicht brauchst, in den Maschen verborgen mitläuft. Das ist ein toller Einstieg, weil es keine Spannfäden gibt und das Muster Reihe für Reihe entsteht. Beginne mit zwei Farben und einem Karo- oder breiten Streifenmuster.
Welche Technik du auch wählst, die Empfehlung ist dieselbe: Arbeite eine Maschenprobe. Ein Quadrat von 10 x 10 cm in den Farben, die du verwenden willst, zeigt dir, ob deine Spannung passt und ob das Muster so aussieht, wie du es dir vorstellst. Außerdem kannst du die Farbwechsel üben, bevor du das ganze Projekt beginnst.
Typische Anfängerfehler und wie du sie vermeidest
Am Anfang passieren beim mehrfarbigen Arbeiten Fehler, und das ist normal. Das sind die häufigsten, und so vermeidest du sie:
- Zu straffe Fäden: Ziehst du die Spannfäden zu fest, zieht sich das Gestrick zusammen und verliert Elastizität. Lösung: Lass die Fäden locker liegen, ohne zu ziehen, und prüfe alle paar Runden, ob sich das Gestrick gut dehnen lässt.
- Verhedderte Knäuel: Mehrere Farben ohne Ordnung zu verarbeiten ist ein Rezept für Chaos. Nutze Spulen, um jede Farbe getrennt zu halten. Die Spulen aus der Kategorie Colorwork können dir beim Entwirren viel Zeit sparen.
- Die Reihe verlieren: Bei einer Strickschrift mit Muster ruiniert eine übersprungene Reihe das Motiv. Ein Reihenzähler oder ein Notizheft helfen dir, den Überblick zu behalten.
- Garne mit sehr unterschiedlicher Stärke oder Faser: Ist eine Farbe dicker oder haariger, wird das Muster unregelmäßig. Suche Garne mit derselben Zusammensetzung und Stärke.
- Nicht blocken: Das Blocken setzt die Maschen und gleicht das Farbmuster aus. Lass diesen Schritt nicht aus: Er macht den Unterschied zwischen selbstgemacht und fertig. Wie das geht, liest du im Ratgeber Blocken stricken und häkeln.
- Mit einem zu ehrgeizigen Projekt beginnen: Ein ganzer Fair-Isle-Pullover mit kompliziertem Muster kann beim ersten Mal frustrieren. Starte mit einer Mütze, Handstulpen oder einem Kissenbezug.
Ein weiterer häufiger Fehler: die Rückseite nicht anzuschauen. Beim Jacquardstricken sollten die Spannfäden nicht zu lang werden, weil sie sich an Fingern oder Gegenständen verfangen. Läuft ein Faden über eine längere Strecke, lohnt es sich, ihn auf der Rückseite einzufangen und zu fixieren. Mit Übung geht das automatisch. Eine ausführliche Fehlersuche findest du im Ratgeber Jacquard stricken: Fehler und Lösungen.
Platz und Fäden ordnen
Das mehrfarbige Arbeiten braucht etwas mehr Ordnung als das Arbeiten mit einer Farbe. Ein vorbereiteter Platz entscheidet darüber, ob du genießt oder die Zeit mit Entwirren verbringst. Diese Regeln helfen:
- Trenne die Farben mit Spulen: Jede Farbe auf eine eigene Spule. So kannst du das Projekt bewegen, ohne dass die Knäuel rollen und sich vermischen.
- Nutze eine Schale oder einen Wollhalter: Arbeitest du mit einem großen Knäuel für die Hauptfarbe, halten die Garnschale „Abrazo“ oder der Drehbare Garnhalter „Dúo“ den Faden unter Kontrolle.
- Halte die Maschenmarkierer bereit: Setze sie an den Rundenanfang und an wichtige Farbwechsel. Die kleinen Markierer sind ideal, weil sie kaum stören.
- Sorge für gutes Licht: Ähnliche Farben, etwa zwei Blautöne, auseinanderzuhalten, braucht gute Beleuchtung. Eine Tageslichtlampe hilft, Verwechslungen zu vermeiden.
- Bewahre das Projekt in einer Tasche oder Box auf: Räume am Ende der Sitzung alles in eine Projekttasche oder Zubehörbox. So verlierst du keine Spulen oder Markierer und kannst am nächsten Tag ohne Unordnung weitermachen.
Wenn du einer Strickschrift folgst, halte sie gut sichtbar bereit und nutze ein Lineal oder einen Magneten, damit du die Zeile nicht verlierst. Die Strickstation „Mi rincón“ sammelt Häkelnadeln und Schere, Mini-Knäuel, Marker und einen Ständer für die Anleitung auf dem Handy an einem Ort.
Fazit: klein anfangen und den Prozess genießen
Mehrfarbig stricken wirkt schwierig, bis du dich hinsetzt und die erste Runde mit zwei Farben strickst. Mit dem passenden Material, einem einfachen Muster und etwas Ordnung wächst das Motiv unter deinen Händen. Du musst nicht alles auf Anhieb richtig machen: Die Spannung verfeinert sich mit der Übung, und jedes Projekt lehrt dich etwas Neues. Wir haben Zubehör, das dich auf diesem Weg begleitet, von Spulen, die die Fäden in Ordnung halten, bis zu Spannunterlagen für den letzten Schliff. In der Kategorie Colorwork findest du alles, um deinen Platz für die erste Arbeit vorzubereiten.
Weiterlesen: Jacquard stricken: 6 typische Fehler und ihre Lösungen · Wollhalter zum Häkeln: So findest du den richtigen
Mehr dazu: Das Standardsystem für Garnstärken des Craft Yarn Council (auf Englisch).
In unserer Werkstatt in Torremolinos entwerfen wir die Zubehörteile, über die wir hier schreiben, selbst und drucken sie im 3D-Druck: Garnhalter und Garnschalen für jedes Knäuel und Organizer, damit Spulen und Markierer nicht verloren gehen. Wenn dir dieser Ratgeber beim Einstieg geholfen hat, erzähl uns, wie dein erstes Muster geworden ist. Better Together.
Häufige Fragen
Welche Garne brauche ich für den Einstieg ins Colorwork?
Wähle zum Einstieg Garne in ähnlicher Stärke und mit ähnlicher Faser. Wolle in mittlerer Stärke (in Anleitungen oft als DK oder Worsted angegeben) ist leichter zu handhaben als sehr dünnes Garn, weil du die Maschen besser siehst und die Farbwechsel klarer werden. Baumwolle und Wolle verhalten sich unterschiedlich; bei einem Mix wird die Spannung deshalb leichter ungleichmäßig. Beginne mit zwei Farben, die gut kontrastieren, etwa Weiß und Marineblau, damit du das Muster wachsen siehst und Fehler schnell erkennst.
Wie verhindere ich, dass sich die Fäden beim mehrfarbigen Stricken verheddern?
Der Schlüssel ist Ordnung. Nutze für jede Farbe eine Spule und lege sie so ab, dass sich die Fäden nicht kreuzen. Arbeitest du mit zwei Farben, lege die Knäuel getrennt rechts und links von dir ab oder nutze Spulen oder einen Halter, der sie trennt. Es hilft auch, mit kleinen Knäueln statt mit großen zu arbeiten, weil sie leichter sind und weniger rollen. In einer Pause legst du jede Spule an ihren Platz und lässt keine Fäden lose liegen. Verheddert es sich doch, zieh nicht kräftig am Faden, sondern löse den Knoten mit Geduld und einer stumpfen Nadel.
Wie viele Farben kann ich gleichzeitig verwenden?
Beschränke dich zum Einstieg auf zwei Farben pro Runde. Das ist am besten zu bewältigen und reicht, um die Technik zu lernen. Beim Jacquardstricken sind zwei Farben pro Runde üblich, zwischen den Runden kannst du die Farben wechseln. Bei der Intarsie können es mehr Farben sein, aber jede braucht ihre eigene Spule, was den Ordnungsaufwand vervielfacht. Mit wachsender Sicherheit kannst du in jeder zweiten Runde eine dritte Farbe ergänzen oder Muster mit mehr Blöcken probieren. Aber übereile nichts: Zwei Farben mit gleichmäßiger Spannung zu beherrschen ist die Basis für alles Weitere.
Welche Nadeln oder Häkelnadeln eignen sich für Colorwork?
Zum Stricken sind Rundstricknadeln sehr praktisch, weil du in Runden arbeiten und das Muster ohne Naht sehen kannst. Die Stärke richtet sich nach dem Garn: Nimm die, die die Anleitung empfiehlt oder die dir in der Maschenprobe die richtige Spannung bringt. Beim Häkeln eine bequeme Häkelnadel in der zum Garn passenden Stärke. Als Anfängerin oder Anfänger solltest du sehr glatte, rutschige Nadeln meiden, weil Maschen leichter abspringen. Nadeln aus Holz oder Bambus bieten etwas mehr Halt. Wenn du in Runden arbeitest, achte darauf, dass das Seil der Rundstricknadel flexibel ist, damit sich das Gestrick nicht verdreht.
Wie blocke ich ein mehrfarbiges Kleidungsstück?
Das Blocken ist entscheidend, damit sich die Maschen setzen und die Farben ausgleichen. Ist das Stück aus Wolle, kannst du es mit Dampf blocken oder in kaltes Wasser mit etwas mildem Waschmittel tauchen, ohne Wringen ausdrücken und auf einer Spannunterlage mit Nadeln ausbreiten. Bei Baumwolle oder pflanzlichen Fasern funktioniert das Nassblocken gut. Prüfe immer die Hinweise auf dem Garn. Beim Blocken setzen sich oft auch die Spannfäden und zeichnen sich auf der rechten Seite weniger ab. Verwende kein heißes Wasser und keinen Trockner, sonst kann die Wolle verfilzen oder das Stück verformen. Lass es an der Luft trocknen, nicht in direkter Sonne.